Die wunderschönen Urlaubsorte der Türkei sind, anders als viele europäische Alternativen, vor allem von einer sündigen Pest befreit: der Spielcasinos. Schon im Jahre 1998 wurden den türkischen Casinos alle Spiellizenzen entzogen. Dieser Beschluss lag im politischen Interesse der Gesellschaft und wurde letztlich vor der Jahrtausendwende durchgeführt. Ausschlaggebend für die Entscheidung war der soziale Druck, denn seit den 90er Jahren (als die Spielbanken erlaubt wurden) haben nicht nur wenige Menschen ihre Ersparnisse in die Spielautomaten gekippt. Das stark islamisch geprägte Land wollte kurzum diesen Problemen ein Ende schaffen und entzog den Hotels mit Spielbanken die Lizenzen. Dabei bleibt bis heute unklar, inwiefern die Spielsucht eingedämmt wurde, denn die illegalen Spielbanken werden weiterhin von süchtigen Spielern genährt.
Für den Tourismus ist diese Entwicklung zu einer “spielfreien Zone” sowohl positiv als auch negativ zu vermerken. Einerseits kann der Urlauber nun ohne Bedenken an seinem schönen Strand sein, denn der Spieltourismus (der in vielen angrenzenden Ländern der Türkei auch verboten ist), würde die Kulisse der paradiesischen Urlaubsorte merklich verändern. Mit dem Geldfluss kommen meist die großen Ressorts, die Neubauten und die Pachtung der Strände sowie dubiose Touristen, viele angetrunkene Menschen und in jedem Fall mehr “Partyalarm”, wie man ihn aus Mallorca kennt. Insbesondere in Antalya war sehr oft von solchen Spielstraßen zu hören, die entsprechendes Klientel anzogen.
Von den positiven Seiten dieser Entwicklung abgesehen, ist das natürlich auch ein bitteres Los für die Einheimischen, die nun ihren Spieltrieb zum Casino online ausleben müssen. Genauso gut trifft es auch die sporadischen Spieler, die sich einen geselligen Zeitvertreib erlauben wollen, und sich statt für die Türkei für ein anderes Urlaubsland entscheiden – wie viele Touristen aus Israel und den Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Damit entgehen dem Land die Steuergelder aus den Gewinnen der Spielbanken, also Gelder, die in den Tourismus zurückfließen können.
Selbstverständlich sollte die Partie Roulette nicht als Kriterium für einen Urlaub herangezogen werden – zumindest nicht ausschließlich. Dennoch ist dieser Schritt für den türkischen Tourismus nicht zu unterschätzen. Was die Türken selbst betrifft: im Norden Zyperns, im türkischen Teil des Inselstaates, gibt es mehrere Casinos, die von den Einheimischen aus dem Festland angeflogen werden. Für alle Spielwütigen ist das natürlich eine perfekte Alternative, für alle anderen, die sich einen wunderschönen und ruhigen Urlaub wünschen: viel Spaß in der Türkei!